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Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh will Anerkennung sexueller Vielfalt in Baden
FREIBURG. Der badische Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh (Foto) hat sich für die Anerkennung einer größeren sexuellen Vielfalt in Baden ausgesprochen. Bei einer Tagung der Landeskirche und der Ev. Hochschule Freiburg am 17. April in Freiburg berieten Kirchenvertreter und Studenten der Hochschule über eine „Kirche auf dem Weg zur Gleichstellung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und Identität“. Cornelius-Bundschuh zufolge galt die Zuordnung eines Menschen zu einem der zwei Geschlechter lange Zeit als selbstverständlich, schöpfungsgemäß oder naturgegeben. Andere Formen von Sexualität seien als Abweichungen gesehen und ausgegrenzt worden. Die Kirche sei der gesellschaftlichen Norm gefolgt oder habe sie geprägt und gefördert.

Zur sexuellen Vielfalt gehören für Cornelius-Bundschuh aber auch Homo-, Trans- und Intersexualität. Welche Sexualität gut oder schlecht sei, habe die Kirche nicht zu sagen. Kritiker verweisen darauf, dass die Berufung des Bischofs auf den Apostel Paulus („Hier ist nicht Jude noch Grieche, Sklave noch Freier, Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt eins in Christus Jesus“, Galater 3, 26-28), eine unzulässige Umdeutung des Bibeltextes ist, bei dem es um die Heilsfrage und die Zuordnung zu Christus geht und weder die geschlechtliche noch die ethnische Zuordnung aufgelöst wird. Der Bischofsvortrag wurde mit großer Betroffenheit in Teilen der Pfarrerschaft und der Gemeinden, besonders in den Reihen bibelorientierter und bekennender Protestanten in Baden aufgenommen.

Link zum Vortrag des Bischofs am 17. April 2015 in Freiburg
Hohage-Stellungnahme zum Bischofsvortrag am 17. April 2015

Der Vortrag des Bischof in Freiburg entspricht in weiten Teilen dem, was Cornelius-Bundschuh am 22. März bei einem Diskussionsforum der Ev. Kirchengemeinde in Walldorf bei Heidelberg bereits angekündigt hatte. Dabei sagte er, die Kirche sage nicht, welche Form von Sexualität per se gut oder schlecht sei. Vielmehr nehme sie die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit ernst, auch in ihrer unterschiedlichen sexuellen Disposition... Schon in der Bibel begegne man einer Vielfalt sexueller Lebensformen (www.punktsieben.org/archiv/2015/3/28/sexuelle-vielfalt). Ein in ethischen Fragen kundiger und erfahrener badischer Theologe meinte: Schon zu Beginn seiner Rede in Freiburg zeige sch der Landesbischof nicht als ein an der biblischen Ethik ausgerichteter Theologe, auch nicht als Zeuge des Evangeliums, der seine Landeskirche vom Wort Gottes her leiten will, sondern als einen der Gender-Ideologie verpflichteten Kirchenmann, der begeistert sei von der Idee der Gleichstellung von Ungleichem (Jer. 51,7) und sich den ideologischen Sprachschatz der schwulenpolitischen Szene kritiklos zu eigen gemacht habe.

Die Gleichstellung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und geschlechtlichen Identitäten in der Kirche sei Ziel der Zusammenkunft, sagte die Rektorin der Evangelischen Hochschule Freiburg, Renate Kirchhoff beim Fachtag in Freiburg. Die Professorin ist eines der Gründungsmitglieder der Fachgruppe Gleichstellung in der badischen Landeskirche in Baden, die im November 2014 gegründet wurde. „Wir wollen eine Volkskirche sein, in der die Menschen, die Gott in ihrer Unterschiedlichkeit geschaffen hat, eine Heimat finden“, sagte Kirchhoff. Die Diskussionen mit andersdenkenden Christen, die einschlägige biblische Texte als Verbot von homosexuellen Beziehungen lesen, würden weiter geführt. Allerdings „können Diskriminierung und Beschimpfung nicht zugelassen werden“, betonte Kirchhoff (die aber nicht nachweisen konnte, wo solche Beschimpfung und angebliche Diskriminierung in den Gemeinden geschieht).

Der umstrittene Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt sprach über die sexuelle Selbstbestimmung als ein universales Menschenrecht, ließ aber die biblischen Vorgaben für Christen völlig außen vor. Bielefeld, ein Vorkämpfer für mehr Rechte der Schwulen und Lesben, ist Theologe und hat einen Lehrstuhl am Institut für Politische Wissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Mit der Übernahme des Pfarrdienstgesetzes der EKD im Jahr 2011 habe die badische Landeskirche beschlossen, das Thema Homosexualität und Leben im Pfarrhaus nicht explizit mit einem Gesetz zu regeln, sagte die südbadische Prälatin Dagmar Zobel. Zwar sei das Zusammenleben von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften in der Landeskirche seither bei allen Beteiligten positiv beschieden worden. „Dennoch ist es keine befriedigende Regelung, weil sie in die kirchliche Öffentlichkeit nicht genügend kommuniziert wird und keine Rechtssicherheit für die Betroffenen gewährt wird“, betonte Zobel. Sexuelle Orientierung sei kein Kriterium für den Dienst als Pfarrerin oder Pfarrer in der Landeskirche, meinte sie im Widerspruch zu Bibel und Bekenntnis der reformatorischen Kirchen. Nach dem reformatorischen Grundbekenntnis von Augsburg (1530) muss man Bischöfen nicht „gehorsam sein“ (Artikel 28), die etwas dem Evangelium entgegen lehren, setzen oder aufrichten.

Statt eines Kommentars das klare Wort des Apostels Paulus an die Christen: „Ich muss euch vor Leuten warnen, die eure Gemeinde spalten und durcheinander bringen. Sie verbreiten eine andere Lehre und widersprechen dem, was ihr gelernt habt. Mit solchen Leuten sollt ihr nichts zu tun haben. Denn sie dienen nicht unserem Herrn Christus. Es geht ihnen nur um die Erfüllung ihrer persönlichen Wünsche und Begierden. Mit schönen Worten und Schmeicheleien verführen sie ihre arglosen Zuhörer.“ Auszug aus der Tagesbibellese vom 21. April 2015 (dem ersten Eintrag dieser News) im Römerbrief, Kapitel 16, hier Verse 17 und 18 in der klaren Übertragung ins Heute der Bibel „Hoffnung für alle“. (MK nach idea und epd - Neue Fassung vom 25. April 2015)




Evangelisches Netzwerk Baden hat auf das Freiburger Bischofswort öffentlich reagiert
HEIDELBERG. Die Forderung von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) nach Anerkennung einer größeren sexuellen Vielfalt in Baden sind beim Netzwerk evangelischer Christen in Baden (www.my-necib.de) mehrheitlich auf Befremden gestoßen. In einer Stellungnahme kritisierte Vorstandsmitglied Pfarrer Dr. Gerrit Hohage (Hemsbach bei Heidelberg) den Umgang des Bischofs mit der Bibel. Einzelne Texte würden aufgrund zeitgeschichtlicher Überlegungen so interpretiert, „dass ihr Verständnis sogar in Opposition zu ihrem natürlichen Wortlaut stehen kann“. So sei der Bischof der Ansicht, dass der Apostel Paulus Homosexualität im Sinne gleichberechtigter Partnerschaft nicht vor Augen gehabt habe und dass die Ablehnung praktizierter Homosexualität heute keine Gültigkeit habe. Ebenso wenig belegbar sei die Behauptung „Schon in der Bibel begegnet uns eine Vielfalt sexueller Lebensformen“. Außer Grundaussagen zur Ehe von Mann und Frau werde nur die Polygamie von Patriarchen und Königshäusern beschrieben. Biblische Autoren hätten diese Lebensform aber kritisiert. Viele Christen lehnten auch die Ansicht des Bischofs ab, ethische Sätze der Bibel ließen sich nicht einfach eins zu eins in die Gegenwart übertragen. Dies sei eine unzulässige Verallgemeinerung, so die Kritik. Pfarrer Dr. Hohage (Foto oben) appellierte an den Bischof, Gespräche mit den Enttäuschten und Verärgerten zu führen. Wenn dies nicht geschehe, drohten Mitglieder der Kerngemeinde und eine große Zahl von Verantwortungsträgern vor Ort unwiederbringlich wegzubrechen. Das im Februar 2015 gegründete Netzwerk vereint „Christen, die ihre Kirche lieben. Gerade deshalb sehen wir mit Sorge, dass in verschiedenen Bereichen der badischen Landeskirche ungute Wege eingeschlagen werden, die sich von den biblisch-reformatorischen Grundlagen entfernen und dem Zeitgeist folgen.“ (MK nach idea - 24. April 2015)




Jahrestagung des PGB Baden über die Reformation und die Zukunft der Kirche
BAD HERRENALB. Unter dem Thema „Stationen auf dem Weg in das Jubiläumsjahr der Reformation“ stand die Jahrestagung des Pfarrerinnen- und Pfarrergebetsbundes (PGB) Baden in der Woche nach Ostern im Henhöferheim Neusatz in Bad Herrenalb. Der emeritierte Prälat Dr. Hans Pfisterer (Heidelberg, im Bild oben rechts), kirchenhistorisch fundiert und Kenner der badischen Erweckungsbewegung um Aloys Henhöfer, sprach über „Luther auf der Kanzel – und was wir heute noch von ihm lernen können“ sowie über die „Reformation im 19. Jahrhundert in Baden und Prälat Ullmanns Bemühen um eine reformatorische Neuausrichtung der badischen Kirche“. Wie Pfisterer sagte, habe Carl Ullmann (1796-1865) im Gegensatz zu dem großen Theologen Friedrich Schleiermacher die Bibel als Wurzel der Frömmigkeit herausgestellt. Das Kernanliegen des Prälaten sei der kirchlich-positive Ausbau der Badischen Union gewesen, um die aufklärerische Tradition zu überwinden. Darum habe er die Einführung eines neuen Katechis¬mus gefördert, hatte doch der liberale Vorgängerkatechismus große Unruhe ausgelöst in den erweckten Gemeinden um Pfarrer Aloys Henhöfer. Zum Bekenntnisstand der Landeskirche sei schließlich festgestellt worden, dass die Bibel „alleinige Quelle und Richtschnur unseres Glaubens“ ist und ihr Verständnis durch das Augsburger Bekenntnis von 1530, den Heidelberger und den Luther-Katechismus dargelegt werde.

In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmer ferner über biblisch-reformatorische Schlüsselstellen der Bibel zur Frage der Rechtfertigung, zur Kirche und zum Predigtamt (Augsburger Bekenntnis, Artikel 4 und 5, 7 und 8). Thesen zum Weg der Kirche in die Zukunft und über die Bedeutung der Reformation für heute und morgen wurden erarbeitet. Für die Reformatoren sei der Artikel 4 des Augsburgischen Bekenntnisses (Von der Rechtfertigung allein durch den Glauben) der „articulus stantis et cadentis ecclesiae“ gewesen, also „der Artikel, mit dem die Kirche steht und fällt“. Er lautet: „Es wir gelehrt, dass wir Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit vor Gott nicht durch unser Verdienst, Werk und Genugtuung erlangen können, sondern dass wir Vergebung der Sünde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnade um Christi willen durch den Glauben, nämlich wenn wir glauben, dass Christus für uns gelitten hat und dass uns um seinetwillen die Sünde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird.“ Pfisterer: Aus der Rechtfertigung des Sünders dürfe nicht die Rechtfertigung des Vorhandenen oder gar der Sünde werden. Der Gesamtauftrag der Kirche besteht darin, sich in die „Missio Dei“ (Sendung Gottes) zu stellen. Dies beginne damit, sich wie einst Marthas Schwester Maria im Evangelium „zu Füßen Jesu“ zu setzen – auch in Bibel- und Gebetskreisen – und auf ihn zu hören, auch. Zu Zeichen und Merkmalen der christlichen Kirche gehörten aber auch Taten der Liebe: die Diakonie und die Mission.

Über das theologische Friedrich-Hauß-Studienzentrums (FHSZ) der Christus-Bewegung Baden informierte bei der Tagung dessen Studienleiter, Pfarrer Udo Zansinger (Schriesheim), zum Verhältnis der älteren und jüngeren Pfarrer-Generation informierte die Karlsruher Pfarrerin Katja Willunat. (MK - 24. April 2015)



Weitere Bände in der Schriftenreihe des Theologisches Seminar Adelshofen erschienen
EPPINGEN. In der Akademischen Verlagsgemeinschaft München (AVM) sind jetzt weitere Bände der Schriftenreihe des Theologischen Seminars Adelshofen (TSA, Eppingen bei Heidelberg) erschienen, die auch im Buchhandel erhältlich sind. Eine Bestellung ist auch direkt beim Verlag möglich. Hier der Link zur Homepage, in welcher die einzelnen Bände vorgestellt werden: www.avm-edition.de/schriftenreihe-theologisches-seminar-adelshofen.html. Der besondere Reiz der Reihe liegt in ihrer praktisch-theologischen Ausrichtung. Es handelt sich dabei nämlich um Abschlussarbeiten, die innerhalb des Master- und Doktoralstudiums in der Praktischen Theologie an der Fernuniversität der University of South Africa (UNISA, Pretoria) über das TSA eingereicht wurden. Zum Druck wurden die Fassungen nur geringfügig überarbeitet. Je nach Forschungsfrage enthalten die Studien empirische oder deduktive Ansätze. Die Bände sind eine Fundgrube für Pfarrer und Pfarrerinnen, Studierende im Fachbereich der Praktischen Theologie und für ehrenamtlich Mitarbeitende, die sich vertieft mit diesen Themen auseinandersetzen wollen und in ihrem Dienst noch besser gefördert werden möchten.

Hier die Bände: Band 1: Harald Brixel, Gemeinde als Allgemeines Priestertum. Ihr Profil und Wachstumspotential - empirisch-theologisch entfaltet. Band 2: Dirk Fuisting, Berufung zur Ehelosigkeit. Eine seelsorgerliche Hilfe für Singles? Band 3: Klemens Kißner, Bibellesen - zwischen Lust und Frust? Schriftmeditation junger Erwachsener - eine Fallstudie. Band 4: Dieter Kletting, Stressbewältigung bei der Predigtarbeit. Überraschende Einsichten. Band 5: Daniel Plessing, Gemeindezucht heute? Begründung, Chancen, Gefahren und Grenzen. Band 6: Susanne Knispel, Lets talk about Aids. Christliche Aidsprävention unter ghanaischen Jugendlichen. Band 7: Waltraud Hörauf, Alkohol in der Familie. Im Spannungsfeld von Co-Abhängigkeit und Resilienz. Band 8: Sabine Soffner: Wenn Gott uns berührt. Gebet und Salbung am Krankenbett. Band 9: Michael Micic: Respiritualisierung als Chance und Herausforderung für die Kirchen in Deutschland heute. Internetauftritt des TSA: www.lza.de/theologisches-seminar/ (MK - 21. April 2015)






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