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Aktuelles




Haus der Kirche in Bad Herrenalb


Badische Frühjahrssynode vom 21. bis 24 April in Bad Herrenalb: 2011 wird ein „Jahr der Taufe"
Landesbischof Fischer: Kirchliche Amtshandlungen sind besondere Chancen

Unser Landesbischof Ulrich Fischer hat die Bedeutung der Kasualien (Taufe, Trauung, Beerdigung) für das Image der Kirche in der Öffentlichkeit und als missionarische Chance bei den Menschen betont. Auf ihre Gestaltung müsse darum besonderen Wert gelegt werden, so Fischer in seinem Bericht zur Lage vor der badischen Frühjahrssynode vom 21. bis 24. April 2010 in Bad Herrenalb. Beachten Sie dazu unten die persönlichen Anmerkungen von mir, von Martin Kugele.

Durch Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Bestattungen würden viele Menschen mit dem Evangelium erreicht. Dass hier missionarische Chancen liegen, hat der Bischof erkannt. Häufig seien sie sogar Anlass, wieder in die Kirche einzutreten, stellte er fest. Bei Taufen, Trauungen, Konfirmationen und Bestattungen würden auch viele Nichtkirchenmitglieder erreicht, die aus familiären Gründen teilnähmen. Evangelisch Getaufte würden zu einem ganz großen Prozentsatz später auch konfirmiert. Viele andere Jugendliche würden sich im Konfirmandenalter taufen lassen.

Trauungen wandelten sich von einer Traditionshandlung mehr zu einer Bekenntnishandlung. Erheblich zugenommen hätten die Trauungen mit einem konfessionslosen Partner, so der Bischof. Aus Anlass der Trauung werde das Thema Kircheneintritt virulent. Bei den Kasualien müsse die Kirche auf die Erwartungen an sie Kirche eingehen und deutlich machen, dass diese Gottesdienste aus dem Kern der Beziehung zu Jesus Christus kommen und zu ihm hinführen, so Fischer. Durch diese Momente der „Kirche bei Gelegenheit“ falle Gottes Wort mitten ins Leben. „In der Kasualpraxis erfahren Menschen in wichtigen Momenten ihres Lebens, dass sie gesehen und von Gott angesehen sind: Es ist kein Zufall, es ist gewollt, dass es dich gibt. Es ist nicht bedeutungslos, wie du lebst.“ - Link zum Bischofsbericht: www.ekiba.de/12310_13027.php



Laut Fischer kann eine besonders sorgfältige Gestaltung dieser Gottesdienste den Kontakt zu den Kirchenmitgliedern festigen und neue Mitglieder gewinnen. So sollten Gebete, Predigten und Lieder eine spürbare und anregende Beziehung zur Lebenssituation der Besucher haben. Fischer kündigte auch an, dass die badische Landeskirche im nächsten Jahr in mindestens 20 Kirchenbezirken zu regionalen Tauffesten einladen werde. Ein besonderes Augenmerk gelte ledigen Müttern. Ferner regte Fischer an, mehrere Amtshandlungen miteinander zu verbinden. Wenn die Kirche gezielt auf Menschen zugehe, die bei einer erneuten Eheschließung an eine Trauung nicht gedacht hätten, sollten auch Kinder aus vorhergehenden Beziehungen berücksichtigt werden. Aus seelsorglichen Überlegungen heraus wäre es „durchaus erwägenswert, im Rahmen einer solchen Familiengründungskasualie den Kindern das Angebot der Taufe zu machen“. Eine Kirche, die sich nur an der Situation von bürgerlichen Normalfamilien orientiert, werde die Beziehung zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen verlieren.

Im Blick auf immer beliebter werdende Bestattungen in Friedwäldern erinnerte der Bischof an drei evangelische Grundsätze. Begräbnisstätten sollten einen Hinweis auf den Namen der Verstorbenen geben, öffentlich zugänglich sein und sich von der Umgebung abgrenzen. Bedenken gebe es sowohl gegen anonyme Bestattungen als auch gegen die Urne im Vorgarten oder gar im Wohnzimmer, weil dies nicht der Würde des Verstorbenen gerecht werde. An Friedhofsverwaltungen appellierte Fischer, preisgünstige Erdbestattungen anzubieten, so dass niemand allein aus ökonomischen Gründen eine Urnenbestattung bekommen müsse.

Außer den klassischen Kasualien haben sich laut Fischer in den letzten Jahren weitere „kasual-ähnliche Gelegenheiten“ herausgebildet, die mit besonderen Gottesdiensten begleitet werden. Dazu zählten der Eintritt in den Kindergarten, die Einschulung, ein Schulwechsel, der Schulabschluss oder das Ende des Erwerbslebens. Auch die Urlaubssituation könne als Kasualie verstanden werden. Spezielle Gottesdienste waren auch nach tragischen Ereignissen erwünscht, etwa nach dem Amoklauf in Winnenden und der Selbsttötung des Fußballers Robert Enke.

(Martin Kugele nach ekiba-News, epd-südwest und idea - Newsletter vom 23. April 2010)





Kommentar von Martin Kugele zum Bischofwort
vor der Frühjahrssynode und „Jahr der Taufe":


Es ist erfreulich, dass unsere Kirche die missionarischen Chancen von Taufen, Trauungen und Bestattungen erkannt hat. Wichtig jedoch wird sein, wie diese kasualen Handlungen ablaufen und wie die Verkündigung darin aussieht. Weithin wird bei vielen kirchlichen Beerdigungen nur über den bzw. die Verstorbene(n) gesprochen und in der Predigt jeder Tote in katholischer Manier geradezu in den Himmel gehoben. Selbst Leute, die in ihrem Leben kaum eine Kirche von innen sahen, wird das ewige Heil verheißen - und die anwesende Trauergemeinde in den geistlichen Tiefschlaf versetzt, statt sie an ihre letzte Verantwortung vor Gott zu erinnern und aus ihrer falschen Sicherheit aufzurütteln. Diese Selbstsicherheit gründet in falschen Taufpredigten, bei denen jedes Taufkind mit dem Wasser geradezu magisch in ein fertiges Gotteskind verwandelt wird, dem die ewige Seligkeit unfehlbar garantiert wird. Diese Form (Überhöhung) der Wassertaufe ist eine Irrlehre und steht im Widerspruch zu den Bekenntnissen.



Die EKD hat 2001 eindeutig formuliert: Die Praxis der Kindertaufe ist nur vertretbar in Verbindung mit Evangelisation und christlicher Unterweisung. Taufe und Glaube gehören nach biblischem Zeugnis und einhelliger reformatorischer Überzeugung zusammen. In der Kundgebung der Synode der EKD von 1999 heißt es dazu: „Eine Kirche, die Kinder tauft, ist dazu verpflichtet, zum persönlichen Glauben hinzuführen. ‚Wenn der Glaube nicht zur Taufe kommt, ist die Taufe nichts nütze‘ (Martin Luther). Evangelisation in ihren vielfältigen Formen hilft den Getauften zu realisieren, was ihnen in der Taufe geschenkt und welcher Weg ihnen eröffnet wurde." Bei den Taufen muss den Taufeltern klar gesagt werden, dass zur Taufe auch der Glaube - gehört, dass zu dieses Taufgeschenk Gottes auch im persönlichen Glauben (ausgepackt und) angenommen werden muss, damit es sich entfalten kann und für unser Leben gültig wird.

Die Konfirmandenzeit und die Konfirmation bieten dazu gute Gelegenheit und müssen inhaltlich dazu hinführen. Der Festgottesdienst mit Einsegnung darf nicht zu einer billigen Sakralhandlung werden, sondern darf eine freundliche Einladung sein - auch an die Familien und Gäste - (mit ihrem Konfirmanden) das persönliche Ja zu ihrer Taufe zu sprechen. Und wenn dies schon geschehen ist, kann die Taufe erneut bejaht und mit dem Glaubensbekenntnis öffentlich bekräftigt werden. Auch in den Taufgottesdiensten kann dies immer wieder geschehen. Ohne dieses Angebot werden missionarische Chancen verpasst. Dann ist die Taufe keine einladende Handlung der Kirche. Der Gemeinde darf nicht verschwiegen werden, dass der Taufschein quasi eine von Gott geschenkte „Fahrkarte in den Himmel" ist, die aber nur dem nützt, der auch in den Zug einsteigt. Dies betonte bereits der große badische Erweckungsprediger Aloys Henhöfer, den die Landeskirche zu ihren Glaubensvätern zählt.

Link zum Textauszug des Wort der Ev. Kirche in Deutschland zu Taufe und Evangelisation

Während bei Bestattungen biblisch zentrale Wahrheiten wie Vergänglichkeit, Ewigkeit und ewiges Leben problemlos und seelsorgerlich (feinfühlig) dem Kasus angemessen zur Sprache kommen können, so sind es bei den kirchlichen Trauungen die die Liebe Gottes, sein Geschenk der Vergebung und Versöhnung, ein Leben des Glaubens, das die Kraft schenkt, einander immer wieder anzunehmen und einander die Treue zu halten. Dies vermögen selbst gutwillige Paare nämlich nicht in eigener Kraft, leben wir doch in einer vom Gift der Sünde verseuchten Welt, in der Gottes gute Gaben durch böse Kräfte und auch unser eigensüchtiges Herz bedroht sind. Nur durch Jesus Christus (im Glauben an ihn) veränderte Menschen sind zu ganzer Hingabe und opferbereiter Liebe fähig. Dies wird den Gemeinden und Hochzeitspaaren heute nicht mehr vermittelt. Die Trau-Gespräche bieten dazu auch eine gute Gelegenheit.



Kirchliche Trauungen sind weithin ein netter Event geworden, wo das Evangelium nur eine kleine Garnitur ist, die kaum gesehen (gehört) wird. Solche Handlungen der Landeskirche dürfen nicht als „missionarische Chance" bezeichnet werden. Vom Bischofsbericht hätte ich mir hier mehr Klarheit gewünscht, zumal er mit Recht in den zurückliegenden Jahren davon gesprochen hat, dass die Kirche ihr Profil schärfen und deutlicher zeigen muss. Nur so hat sie Zukunft. Es genügt nicht, die Sakralhandlungen zu vermehren und Kirchen mit Sonderangeboten zu füllen. Auch ein „Jahr der Taufe" braucht ein klares biblisches Profil.

Aufschlussreiche Fakten zum Thema „Taufe" bringt auch die biblische Analyse von Pfarrer Traugott Fränkle aus Wiesloch, der den Landesbischof und die badische Landeskirche daran erinnert, dass zur (Kinder-) Taufe auch der persönliche Glaube der Getauften (an den dreieinigen Gott )gehört, damit sie Gottes Kinder werden. Seine empfehlenswerten Ausführungen sind unter dem Titel „Sind alle Menschen Gottes Kinder?" in unseren Dokumentationen (www.bb-baden.de/pdf/Fraenkle.GottKids.pdf) zu finden.

(Martin Kugele - 28. April 2010)


Nachträgliche Anmerkungen zum Jahr der Taufe 2011

Zum „Jahr der Taufe" gehört nach Auskunft des Amtes für Missionarische Dienste der Badischen Landeskirche (AMD-Baden) auch das Projekt „Erwachsen glauben“. Eine Kirche, die tauft, muss den Weg zum Glauben und im Glauben an Jesus Christus lehren, betont AMD-Kirchenrat Hans-Martin Steffe (Karlsruhe). Auf EKD-Ebene ist darum von der Arbeitsgemeinschaft der AMD eine Homepage eingerichtet worden, auf die unsere Vereinigung hinweisen möchte: www.kurse-zum-glauben.de.

„Erwachsen glauben“ verfolgt das Ziel, dass in jeder Region unseres Landes und unserer Landeskirche regelmäßig Kurse zum Glauben für Erwachsene angeboten werden. Das soll so selbstverständlich werden wie der Konfirmanden-Unterricht. 2011/2012 soll in jedem Kirchenbezirk in Baden an zwei Orten, wo bisher noch keine Glaubenskurse stattgefunden haben, solche Kurse angeboten werden.

Inzwischen war das Team vom AMD-Baden mit drei Kursen (Spur 8, früher Christ werden - Christ bleiben / Emmaus / Stufen des Lebens) und die kirchliche Erwachsenenbildung mit dem Theologiekurs „Zwischen Himmel und Erde" und dem Alpha-Kurs zu drei Studientagen in Meersburg, Ihringen und Heidelberg. In Heidelberg waren wir knapp 50 Pfarrer, Älteste und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 25 Gemeinden anwesend. Weitere Studientage folgen - in Baden-Baden (19.06.), Beuggen (03.07.) und Boxberg (20.11.).

Das Kollegium des Oberkirchenrates will zum Thema „Jahr der Taufe" informierend in jede badische Bezirkssynode kommen. Kirchenrat Hans-Martin Steffe sprach bereits vor der Stadtsynode in Mannheim und hat den über 100 Synodalen das EKD-Reformprojekt „Erwachsen glauben" für Baden präsentiert, auf viele offene und interessierte Fragen dort geantwortet.

Am 18. Januar 2011 wird im Oberkirchenrat in Karlsruhe das Handbuch präsentiert, das alle Pfarrämter kostenlos erhalten sollen. Hierin werden 10 Kurse zum Glauben vorgestellt, Grundsätzliches zu den Glaubenskursen und ihre Verwendbarkeit in unterschiedlichen Milieus. Auf großes Interesse stößt dieses Projekt auch bei einigen diakonischen Einrichtungen in Baden.

(Martin Kugele - 3. Mai 2010)





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